Zigeunerschnitzel? Ne, Das stößt mir auf!

Kennt ihr das? Das ganze Jahr hört und liest man recht wenig über Sinti und Roma. Wenn überhaupt, dann mal wieder über Probleme, Kriminalität oder Elend in Südosteuropa. Und dann poppt sie wieder auf. Die Zigeunerschnitzel-Debatte. Darf man ein Gericht mit einem Namen versehen, der stigmatisierend ist?

Für viele Menschen ist „Zigeuner“ nur ein Wort. Nicht zwangsläufig negativ behaftet. Es gibt ja auch die guten Zigeuner. Und außerdem ist dieses Wort schon gut 1000 Jahre alt. Abgeleitet vermutlich aus dem Griechischen Athinganoi und bedeutet so viel wie „die Unberührbaren“.

Von da an folgt eine ziemlich wüste und undurchsichtige Interpretation des Begriffs. Eines war aber schon immer gleich, der Begriff ist eine Fremdbestimmung. Die Volksgruppe selbst benutzt das Wort Rom oder Romnija (weibliche Form). Dieses bedeutet schlicht und ergreifend Mensch.

Der Begriff Zigeuner ist aufgrund seiner historischen Entwicklung und alltäglichen Gebrauchsweise wesentlich mehr als nur ein Wort. Man könnte sich fragen, inwiefern etwas nur ein Wort sein kann, wenn doch alles eine Bedeutung hat.  Ein Beispiel aus dem bulgarischen Sprachgebrauch: Dort wird das Wort Ciganin nur allzu gern als Synonym für „armes Schwein, Drecksack, fauler Hund“ und vieles mehr verwendet. Es ist sogar erweiterbar. Spricht man von ciganska rabota beschreibt man damit das „Werk eines Zigeuners“ – ein Synonym für Baupfusch, Schmierereien, Vandalismus sowie Diebstahl. Wer glaubt, dass auch im Deutschen Zigeuner erst seit dem Nationalsozialismus ein verunglimpftes Wort ist, der irrt. Schon relativ früh nach der ersten urkundlichen Erwähnung der Volksgruppe der Sinti und Roma sprach man von „Zieh-Gaunern“ und umherschwirrendes Gesindel. Alles nur Wörter?

Nein! Zigeuner ist nicht nur ein Wort. Es ist ein Messer. Es sticht ins gesellschaftliche Bewusstsein und erinnert daran, dass man anders ist, anders sein muss. Es ist ein Stempel. Es deklariert als Angehöriger einer unerwünschten Gruppe. Es ist eine Beleidigung, weil der gesellschaftliche Sprachgebrauch es zu einer gemacht hat. Es ist Fremdbestimmung, weil sich die Gruppe diesen Namen nicht selbst gegeben hat.

Es gilt folglich anzuerkennen, dass es Angehörige dieser Gruppe gibt, die so keines Falls genannt werden möchten. Ausnahmen gibt es vor allem dann, wenn Slang sich mit Jugendsprache mischt und Sinti und Roma sich selbst so bezeichnen. So nennen sich beispielsweise viele junge Ausländer Kanacks (angelehnt an Kanake) und dennoch sprechen wir von Menschen mit Migrationshintergrund.

Zwar stellt sich mit dem Gebrauch politisch korrekter Begriffe nicht unmittelbar Respekt ein, doch weckt es vielleicht ein Bewusstsein, sich mit bestimmten Begrifflichkeiten auseinanderzusetzen. Wenn sich Menschen fragen, warum deklarierte Zigeuner lieber Roma genannten werden wollen, tun sie schon etwas, worauf viele verzichten, wenn sie das Wort Zigeuner überhaupt hören; sie setzen sich mit Ihnen auseinander.

Warum also weiter Zigeunerschnitzel verspeisen? Kann das Ding nicht einfach Paprikaschnitzel heißen? Anstatt ein durchaus ernstes Anliegen, die politische Korrektheit und der Wunsch nach Selbstbezeichnung, mit Zigeunerschnitzel-Debatten ins lächerliche zu ziehen, sollten wir dieses Gericht einfach meiden. Es stößt den meisten eh nur bitter auf.

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