Nie wieder! – Erinnern an die Auschwitzbefreiung

Zum Gedenktag an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau (27. Januar) haben wir auf unseren Social-Media-Kanälen (Facebook und Instagram) Geschichten Überlebender vorgestellt. Ein Apell an uns alle, Rassismus zu bekämpfen. Es fängt mit Worten an, dann folgen „kleinere“ Taten, dann Tod und unendliches Leid.

Wir wollten in diesem Monat nicht nur einmal „Nie wieder!“ sagen, sondern 27 Mal. Es kann gar nicht oft genug wiederholt werden, was verhindert werden muss. Es geht nicht um Schuldzuweisungen oder um Vergangenheit. Es geht um die Zukunft, um Menschlichkeit, um ein Miteinander statt Gegeneinander. Gemeinsam können wir verhindern, dass sich Geschichte wiederholt: Sagt was, tut was!

Hier sind ihre Geschichten mit weiterführenden Links und Verweisen. Achtung: Trigger-Gefahr

Manno Höllenreiner

Mano Höllenreiner überlebt Auschwitz als Kind im sogenannten „Zigeunerlager“. 36 Familienmitglieder verlieren ihr Leben. Er erinnert sich daran, wie er mit seinem Cousin Leichen wegbringen musste, darunter auch Kinder.

Ein ausführliches Interview mit ihm findet ihr hier:

https://www.dw.com/de/auschwitz-%C3%BCberlebender-mano-h%C3%B6llenreiner-wir-waren-ja-deutsche/a-44894511

Zilli Schmidt

Wie erklärt man einer Vierjährigen, was in einem Krematorium passiert? Zilli Schmidt belügt ihre Tochter, kann sie aber nicht retten. Sie sieht Gretel nie wieder, ebenso ihre Familie. Während Zilli nach Ravensbrück gebracht wird, sterben ihre Lieben in der Gaskammer. Mehr über ihre Geschichte könnt ihr hier nachlesen oder in ihrem Buch „Gott hat etwas mit mir vorgehabt“:

https://www.dw.com/de/verdienstorden-f%C3%BCr-die-auschwitz-%C3%BCberlebende-zilli-schmidt-96/a-55017042

Nie wieder sollte eine Mutter ihr Kind so schützen müssen und dennoch verlieren. Wehret den Anfängen. Sag nein zu Rassismus!

Hugo Höllenreiner

Hugo Höllenreiner überlebt Auschwitz, wo ihn der berüchtigte KZ-Arzt Josef Mengele schwer misshandelte.

„Einmal hat ihn Mengele kommen lassen, da musste sich Hugo auf einen Tisch legen, er wurde festgeschnallt, musste die Beine breit machen, und dann beugte sich der Arzt über ihn. Er ließ sich einen Metallstab reichen […] Hugo glaubte zu sterben, aber irgendwann wurde (er) Nummer neunundzwanzig hinausgetragen. Sie stopften ihm viel Papier zwischen die Beine, es wurde rot. Dann kam Nummer achtundzwanzig dran, das war sein Bruder.“

Josef Mengele wurde nie gefasst, obwohl er sich zeitweise unter seinem richtigen Namen in Argentinien niedergelassen hatte. Er wurde von seiner Familie in Deutschland finanziell unterstützt.

Rassismus schändet. Rassismus entwürdigt. Rassismus tötet. Nie wieder Auschwitz!

Das gesamte Interview mit Hugo Höllenreiner könnt ihr hier nachlesen:

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/ns-zeitzeuge-hugo-hoellenreiner-das-leben-die-leiden-von-z-3529-1.1661424

Er engagierte sich seit den 90er Jahren als Zeitzeuge und erzählte seine Geschichte vielen Schülerinnen und Schüler. Hugo Höllenreiner verstarb 2015.

Philomena Franz

Philomena Franz überlebt Auschwitz, Versuche des KZ-Lagerarztes Mengele, Schwerstarbeit mit Chemikalien, die ihre Zunge und Augen gelb werden lassen. Sie wird nach einem Fluchtversuch wieder gefangen und gefoltert. Ihre Hände wurden hinterm Rücken festgebunden, dann kam sie an einen Galgen. Von ihrer zwölfköpfigen Familie überlebten nur sie und ihr Bruder.

Der Geruch von Gras und der Geschmack eines Apfels. Das ist Freiheit. Freiheit, die uns allen lieb und in Gefahr ist, wenn Rassisten Hass verbreiten. Nie wieder! Wehret den Anfängen.

Galo Petermann

Galo Petermann kannte sich auf dem Bau aus. Deswegen wurde er zum Steine schleppen und mauern eingeteilt. Als der 16-Jährige eines Tages nach harter Arbeit die Gelegenheit bekommt ein Brot zu stehlen, tat er es. Einem Aufseher fiel das fehlende Brot auf. Er ging zu Galo und drohte ihm. Der Junge gestand. Der Aufseher sagte ihm daraufhin, dass er nicht erschossen wird, weil er ehrlich war und dass er bestraft wird, weil er es einfach genommen hat.

Galo wurde ausgepeitscht und musste mitzählen. Als er sich verzählt, beginnt die Tortour von vorne.

Diese Geschichte erzählte uns im Sommer letzten Jahres seine Enkelin.

Anna Mettbach

Wie erklärt man einem Kind Rassismus? Warum wird man ausgegrenzt, beleidigt und geschlagen? Anna Mettbach erklärt man als Kind, das liege an ihren schönen Haaren. Alle anderen seien einfach nur neidisch. Sie glaubt es.

Als 16-Jährige kommt sie nach Auschwitz, an der Rampe wird separiert. Sie „darf leben“, muss sich der Kleidung entledigen, ihr werden die Haare geschoren. Sie entlarvt die Lüge und stellt fest, dass der Hass nicht den Namen Neid trägt, sondern Rassismus.

Hier schildert Anna Mettbach ihre ersten Tage in Auschwitz: https://www.youtube.com/watch?v=BmWVpn8XeHY

Ihre ganze Geschichte ist in ihrem Buch „Wer wird die nächste sein? Die Leidensgeschichte einer Sintezza, die Auschwitz überlebte“.

Erna Korn

Wie verabschiedet man sich von jemanden, wenn man weiß, dass es kein Wiedersehen gibt? Erna Korn umarmt ihre Mutter. Beide weinen, als sie sich das letzte Mal sehen. Erna kommt in ein anderes Lager. Ihre Mutter verabschiedet sich mit den Worten: „Du wirst überleben und du wirst erzählen, was man mit uns gemacht hat.“ Sie stirbt in Auschwitz.

Mehr über ihre Ankunft im Vernichtungslager erfahrt ihr in einem bewegenden Interview hier:

oder im Buch „Auschwitz hat mich nie verlassen“.

Walpurga Horvath

WALPURGA HORVATH und ihre Familie zählen zu den Burgenland-Roma aus Österreich. Sie werden unmittelbar nach dem Anschluss Österreichs verschleppt und deportiert. 6 Jahre lang schafft sie es im KZ Ravensbrück zu überleben.

Als Sie mit ihrer Schwester kurz vorm Kriegsende nach Bergen Belsen verlegt wird, glaubt sie in ein besseres Lager zu kommen. Von weitem sieht sie Holz und hofft auf Wärme. Die Wärme, die sie und ihre Schwester dort zu sehen bekommen, werden sie nie wieder vergessen.

Mehr über Walpurga und ihre Familie erfahrt ihr hier:

www.roma-service.at/mrihist/01.html

https://weitererzaehlen.at/interviews/walpurga-horvath

Zoni Weisz

Zoni Weisz übernachtet gerade bei seiner Tante, als seine Familie abgeholt und nach Auschwitz deportiert werden soll. Als die Schwester seines Vaters davon erfährt, packt sie ein paar Sachen und flüchtet mit ihrer Familie und Zoni in den Wald. Mehrere Tage verstecken Sie sich dort und werden dennoch gefasst. Sie werden abtransportiert und sollen ebenfalls in den Zug in das Vernichtungslager. Zoni erinnert sich, dass er den Wagon seiner Familie direkt erkannte. Sein Vater hatte die blaue Jacke seiner Schwester hinausgehängt. Bevor er mit der Familie seiner Tante in den Zug einsteigen sollte, half ihnen ein Polizist im Getümmel auf einen parallel fahrenden Zug aufzuspringen. Zoni hörte die Stimme seines Vaters nie wieder.

Seine Geschichte könnt ihr in seiner Bundestagsrede zum Gedenktag 2011 hier nachlesen:

https://web.archive.org/web/20110131103319/http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2011/33128906_kw04_zoni_weisz/rede.html

Reinhard Florian

Wir alle kennen das Gefühl, wenn ein Gedanke einen nicht mehr loslässt. Wie sich das anfühlt, wenn der Gedanke das Schlimmste ist, das man je gesehen hat, können nur wenige nachvollziehen.

Reinhard Florian merkt eine Veränderung seiner Umgebung bereits 1933. In der Schule und er Nachbarschaft wird er anders behandelt. „Es fängt klein an und hört groß auf“ wird er als Zeitzeige und überlebender gleich mehrerer Vernichtungslager sagen.

Seine Geschichte könnt ihr im Buch „Ich wollte nach Hause, nach Ostpreußen! Das Überleben eines deutschen Sinto“ lesen. Ein kurzes Interview und ein Überblick seiner Stationen sind hier zu finden:

https://www.bpb.de/mediathek/240053/reinhard-florian

Walter S. Werner

Walter Stanoski Winter dient von 1940 bis 1942 in der Marine, wird entlassen und kommt 1943 mit seinem Bruder und seiner Schwester nach Auschwitz. Diese versorgt ihre Brüder mit zusätzlichem Essen als sie an Typhus erkranken und rettet ihnen das Leben. Sein Bruder versucht sich das Leben zu nehmen; es gelingt ihm nicht. Ein Krematorium liegt gegenüber ihrer Baracke. Sie erleben Grausamkeiten, Tod und Vernichtung jeden Tag.

In einem sehr detailreichen Interview erzählt er hier über den Alltag in Auschwitz: https://www.youtube.com/watch?v=2NMUQMutFMY

Ewald Hanstein

Ewald Hanstein zieht mit seiner Familie 1936 aus Breslau nach Berlin. Sie hoffen, dass sie dort weniger Aufmerksamkeit auf sich ziehen und ahnen nicht, dass in der Reichshauptstadt gerade alle Sinti und Roma inhaftiert werden. Die Stadt sollte für die Olympischen Spiele „zigeunerfrei“ werden.

1943 gelingt es ihm kurz abzutauschen, dann wird er gefasst und kommt nach Auschwitz, das er nach dem Krieg nur noch „den größten Friedhof der Welt“ nennt. Er überlebt die Räumung des „Zigeunerlagers“, weil er als arbeitsfähig eingestuft wird und in ein anderes Lager deportiert wird. Seine Lieben bleiben und sterben.

Mehr über seine Geschichte und vor allem Einsatz nach dem Krieg für die Anerkennung des Völkermordes an die Sinti und Roma erfahrt ihr hier: https://taz.de/!5156538/

Ceija Stojka

„Wenn dich wer fragt, du bist 16 Jahre! Und du arbeitest gerne. Im Steinbruch. Lieber als in der Baracke zu sitzen. Hast du mich verstanden? Was machst du gerne?“

Ceija ist gerade 9 Jahre alt, als sie 1943 mit ihren Geschwistern und ihrer Mutter nach Auschwitz deportiert wird. Ihr Vater ist zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Im Vernichtungslager überlebt sie die Auflösung des „Zigeunerlagers“ 1944 nur, weil ihre Mutter ihr eintrichtert, was sie zu sagen hat und einen Aufseher anlügt. Die kleine Ceija muss dann ihre Kraft unter Beweis stellen und überzeugt den Wachmann, dass sie stark genug für den Steinbruch ist.

Sie überlebt und kommt nach Ravensbrück, dann nach Bergen-Belsen. Die Baracken in Auschwitz werden aufgelöst. Etwa 4000 Sinti und Roma, überwiegend Frauen, Kinder, Alte und Kranke, werden Anfang August vergast und verbrannt.

Mehr über Ceija Stojka erfahrt ihr in ihren Büchern „Wir leben im Verborgenen“ und „Träume ich, dass ich lebe?“. Einen kurzen Ausschnitt eines Interviews findet ihr hier:

Lily van Angeren

„Noch heute sehe ich das Kind und glaube, dass alles, was einem lieb ist, einem weggenommen werden kann oder stirbt. Ich sehe mir Neugeborene aus der Ferne an. Aber in der ersten Woche kann ich sie nicht berühren.“

Lily van Angeren überlebt das Vernichtungslager Auschwitz, auch wenn sie oft mit dem Gedanken spielte an den Zaun zu gehen uns sich das Leben zu nehmen. Bücher und eine kurze Liebe mit einem polnischen Mithäftling helfen ihr zu überleben und all das Leid zumindest kurz zu vergessen.

Mehr über ihre Geschichte erfahrt ihr in einem Interview hier:

Amalie Schaich Reinhardt

Nachdem ihre Eltern verhaftet und deportiert wurden, werden Amalie und ihre vier Geschwister in Kinderheimen untergebracht. Sie kommt in das berüchtigte katholische Kinderheim Sankt Josephspflege in Mulfingen. Nachdem eine rassistische und menschenverachtende Studie an den Kindern beendet wurde, deportiert man alle nach Auschwitz.  Auf dem Weg dorthin erleben diese in Dresden einen Bombenangriff der Alliierten.

Im Vernichtungslager trifft Amalie Schaich Reinhardt auf ihre Geschwister. Sie wird vor der „Räumung des Zigeunerlagers“ als arbeitsfähig eingestuft. Ihre Lieben und die meisten aus dem Waisenhaus nicht. Sie werden vergast und verbrannt. Nur 4 dieser Kinder überleben.

Weitere Informationen über Amalie Schaich findet ihr hier:

https://romasinti.eu/de/story/amalie-schaich-reinhardt/

https://www.hmd.org.uk/resource/amalie-schaich/

Anton Müller

Liebe, sogar bis in den Tod. Anton Müllers Mutter folgt ihm und seinen Geschwistern beim Abtransport, obwohl sie nicht für den Zug bestimmt war.

Er verliert in verschiedenen Vernichtungslagern seinen Vater, einen Bruder, eine Schwester sowie deren Ehepartner und Kinder. Sein kleiner Bruder, eine Schwester und seine Mutter überleben.

Mehr über diese Familiengeschichte und warum Anton nach dem Krieg seinen Namen änderte, erfahrt ihr hier: www.roma-service.at/mrihist/02.html

Karl Sarközi

Karl Saközi ist 16 Jahre alt als er ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau kommt. Er muss zum Kanalbau im Strafkommando und dann auch in die Krematorien. „Da hat man dann wirklich gesehen was da los ist. Tag und Nacht liefen die Öfen. Meterhoch schossen die Flammen aus dem Schornstein“.

Er wird mit seinem Vater von der restlichen Familie getrennt und kommt nach Buchenwald. Nachdem sie dort in unterschiedliche Arbeitskommandos eingeteilt werden, sieht er seinen Vater nie wieder.

Nur vier Mitglieder der ehemaligen Großfamilie aus dem Burgenland überleben. Mehr über Karls Geschichte könnt ihr hier nachlesen oder hören:

www.roma-service.at/mrihist/04.html

Else Baker

Können wir uns vorstellen, was in einem 8 Jährigen Kind vorgeht, dass alleine in Auschwitz ankommt? Else ist adoptiert; ihre leibliche Mutter ist Sintezza. Deswegen wird die Kleine abgeholt und von Hamburg nach Auschwitz deportiert. Alleine.

Als sie dort ankommt, ist sie maßlos überfordert. Andere Frauen nehmen sich ihrer an und unterstützen sie, als sie ihren Koffer aufgeben muss, als ihre Kleidung wegkommt und sie nackt und alleine da steht.

Ihre Erlebnisse schildert sie in einem sehr berührenden und kaum auszuhaltenden Interview, das ihr hier sehen könnt:

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/auschwitz-ueberlebende-else-baker-ihre-zeit-als-achtjaehrige-im-kz-16758144.html

Else überlebt, weil ihr Adoptivvater sich stark macht und tatsächlich erwirken kann, dass sie freigelassen wird.

Elisabeth Guttenberger

Elisabeth Guttenberger war eine sehr gute Schülerin. Eine weiterführende Schule durfte sie aber nicht besuchen, ebenso konnte sie ihre Ausbildung nicht beenden. Stattdessen wurde sie mit ihrer gesamten Familie nach Auschwitz deportiert. Sie wird dort in die Häftlingsschreibstube abkommandiert und muss wenige Tage später den Tod ihres Vaters vermerken.

Dass im Vernichtungslager Jung und Alt gleichermaßen umgebracht und verbrannt werden, muss sie dokumentieren. Die Erlebnisse lassen sie nie wieder los.

Mehr über ihre Geschichte könnt ihr hier erfahren: https://www.gdw-berlin.de/vertiefung/biografien/personenverzeichnis/biografie/view-bio/elisabeth-guttenberger/?no_cache=1

Oder im Buch vom „Schlachthof nach Auschwitz“.

Anatoly Shapiro

Anatoly Shapiro ist der erste Befreier des Vernichtungslagers Auschwitz. Was er dort sieht, wird er nie vergessen. „Wir sind von Baracke zu Baracke marschiert. Durch den Wind waren wir bedeckt von Asche, der Schnee war schwarz. Die Krematorien waren noch warm. Auf einer Baracke stand das deutsche Wort ‚Damen‘. Als ich hineinging, war der Boden mit Blut und Exkrementen bedeckt. Tote Frauen lagen darin, dazwischen lebende, die nicht bekleidet waren. Der Gestank war bestialisch. Länger als fünf Minuten konnte man es dort nicht aushalten.“

Die Worte, die er 60 Jahre später in einem Interview fallen lässt MÜSSEN wir uns alle zu Herzen nehmen: „Ich möchte mich an alle Menschen auf dieser Erde wenden: Vereinigen Sie sich und verharmlosen Sie nicht das Böse, das begangen wurde. Auschwitz darf sich nie wiederholen.“

Das ganze Interview könnt ihr hier nachlesen: https://www.cicero.de/weltb%C3%BChne/die-krematorien-waren-warm/37251

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