Ist er´s? Ist er´s nicht? – Der „Bomber der Nation“ ein Sinto?

Eigentlich sollte es nur die Biografie eines seiner Fußballidole werden. Sein Buch über Gerd Müller entwickelte sich aber zu einem spannenden Krimi über Fußball, Geld, Politik und die Geschichte des Rekordmeisters Bayern München.

Hans Woller, Historiker, widmet in seinem penibel und für Ballspiel-Verhältnisse sehr wissenschaftlich recherchierten Werk, einige Seiten der Herkunft des wohl besten Torschützen der deutschen Fußballgeschichte.

Gerd Müller erblickte in Nördlingen kurz nach Kriegsende das Licht der Welt und stammt aus einer einfachen Arbeiterfamilie. Er wächst in ärmlichsten Verhältnissen auf und ist kein großer Fan der Schule, stattdessen kickt er lieber mit Freunden auf den heimischen Bolzplätzen. Darunter Freunde, die der Minderheit der Sinti und Roma angehören und nach dem Krieg in seiner Heimatstadt angesiedelt wurden. „Dazu zählte die weit verzweigte Familie Reinhardt, die ganz in der Nähe des Mietshauses der Müllers ein Anwesen erworben hatte. […] Es dauerte nicht lange, bis Müller im Hause der Reinhardts ein und aus ging. Er kannte keine Berührungsängste, wurde wie ein Familienmitglied behandelt.“

Ein besonderes Verhältnis entwickelte sich zur Schwester seines Kicker-Freundes, Laura Reinhardt. Sie wurde so etwas wie die erste Jugendliebe. „Die beiden gingen miteinander ins Kino und ins Schwimmbad und betrachteten sich als zusammengehörig. Es habe sich, so Laura Reinhardt, um eine «innige, aber nicht intime Freundschaft» gehandelt, deren emotionale Tiefe auch Jahrzehnte später zu spüren war […].“

Nicht wenige Stimmen interpretieren aufgrund dieser selbstverständlichen Nähe zu den Nördlingern Sinti, dass Gerd Müller selbst ein Angehöriger der Minderheitengruppe sei. In seinem dunklen Teint und Bemerkungen, die der „Bomber der Nation“ selbst gemacht haben soll, sehen viele die Spekulationen weiter befeuert. Einem Vertrauten soll er mal augenzwinkernd gesagt haben „Man wisse nie, ob nicht doch etwas dran sei“.

Der Buchautor wiegt einige Indizien, die dafür und einige die dagegen sprechen ab und kommt zu dem Schluss, dass erstere nicht stichhaltig genug sind, um etwas zu beweisen, hundertprozentig auszuschließen sei es aber auch nicht.

Eines jedoch ist sicher: Gerd Müller fühlte sich zu den Menschen stark hingezogen, suchte den Kontakt zu ihnen und ergriff bei Auseinandersetzungen in der Kleinstadt wohl auch Partei für sie. Ausschlaggebend war für den Weltmeister von 1974 das es Menschen sind, Menschen aus der Nachbarschaft, ganz normal eben.

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